Wie lässt sich Zukunft vor Ort gestalten?


Beim Besuch der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser MdB, in der Fokusregion Saalfeld-Rudolstadt wurde genau das greifbar. Im Zukunftsladen Saalfeld erhielt sie Einblicke in die Arbeit der Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost und kam mit engagierten Unternehmen und Bürger:innen ins Gespräch.


Am Freitag, 23. Januar 2026 besuchte die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser MdB, die Fokusregion Saalfeld-Rudolstadt der Gemeinschaftsinitiative im Zukunftsladen Saalfeld.

Der Besuch bot Elisabeth Kaiser die Gelegenheit, ganz konkrete Einblicke in die Inhalte und Arbeit der Fokusregion in der Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost zu gewinnen.

Im Mittelpunkt standen Gespräche mit Unternehmen und engagierten Privatpersonen der Region, die den Gemeinschaftsfonds oder die Strukturförderung in Anspruch nehmen und sich damit aktiv in die Zukunftsgestaltung des Landkreises einbringen können.

David Theobald, Koordinator der Fokusregion, konnte anhand von Beispielen, wie Stipendien zu einer berufsbegleitenden Weiterbildung oder einem Auszubildendenprojekt, den konkreten Mehrwert des Engagements der Gemeinschaftsinitiative für Unternehmen und die Gesellschaft in der Region bildhaft vermitteln.

Förderpartner für die Fokusregion Saalfeld-Rudolstadt in der Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost sind die die Nemetschek-Stiftung, die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und die Freudenberg Stiftung.

Text: David Theobald / Sophie Leins
Fotos: Max Bretzmann

Ideenwerkstatt bei der Tagesspiegelkonferenz „Der Osten“

06. November 2025

Zukunftswege Ost – Neue Allianzen für eine starke Zivilgesellschaft

Wie lassen sich neue Allianzen für die demokratische Zivilgesellschaft schmieden?
Diese Frage stand im Mittelpunkt der Ideenwerkstatt von Zukunftswege Ost, die im Rahmen der Tagesspiegel-Konferenz DER OSTEN am 4. November 2025 in Berlin stattfand.

Auf dem Podium diskutierten:
Sascha Suhrke, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS
Alicja Orlow, RAA e.V. Mecklenburg-Vorpommern
Olaf Ebert, Stiftung Bürger für Bürger
Mark Wollmann, Jugendinitiative der Bibliothek Peißen
Moderiert wurde die Runde von Mandy Baum (VNG-Stiftung).

Unterstützt wurde die Ideenwerkstatt von den Zukunftswege Ost – Partnern: Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt, VNG-Stiftung und ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.

Gemeinsam mehr bewegen

Zum Auftakt betonte Olaf Ebert, warum Zukunftswege Ost gerade jetzt gebraucht werde: „Die Zivilgesellschaft vor Ort steht vielerorts unter Druck – wir müssen Engagierten den Rücken stärken.“ Die Gemeinschaftsinitiative fördert lokale Kooperationen und baut Netzwerke auf, die Menschen in ihrem Engagement unterstützen. Über 20 Förderpartner sind bereits Teil dieser starken Allianz.

Sascha Suhrke hob hervor, was die Initiative besonders macht: „Es geht darum, etwas gemeinsam zu bewegen. Stiftungen bündeln ihre Kräfte und setzen ein positives Zeichen für die Zivilgesellschaft.“ Mit einem Fördervolumen von rund 1 Million Euro für Mikroprojekte leistet Zukunftswege Ost einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft in Ostdeutschland. Ziel sei es, noch mehr Partner zu gewinnen und die Initiative langfristig zu verstetigen.

Engagement sichtbar machen

Für Alicja Orlow liegt die Stärke von Zukunftswege Ost in der Niedrigschwelligkeit: „Die Antragstellung im Mikrofonds ist einfach – das senkt Hürden und macht Engagement möglich.“ Gleichzeitig sei es entscheidend, lokale Initiativen sichtbarer zu machen und stärker zu vernetzen. „Engagierte dürfen mit ihren Ideen nicht allein dastehen – sie brauchen Rückhalt und Austausch zwischen Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik, auf Augenhöhe.“
Auch Mark Wollmann betonte die Bedeutung von Förderung, die junge Menschen erreicht: „Gerade für Jugendliche ist es wichtig, Initiativen auch ohne Rechtsform fördern zu können.“

Ein Blick nach vorn

Zum Abschluss richtete Olaf Ebert den Blick in die Zukunft: Mehr Beteiligung von Unternehmen und die Stärkung der Programme für Engagierte vor Ort sind zentrale Ziele.
„Gemeinsam mehr machen“ – das ist das Motto, das die Ideenwerkstatt prägte und Zukunftswege Ost weiter voranbringen wird.
Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten für den inspirierenden Austausch!

Den Mitschnitt der Ideenwerkstatt finden Sie hier.

Text: Kathrin Weiß
Fotos: Marie Staggat, Team Stiftung Bürger für Bürger, Screenshots Livestream

Roundtable in Brandenburg

Auf dem Weg zu einer neuen Fokusregion

Am 8. September 2025 fand im Haus der Natur in Potsdam der Roundtable unter dem Titel „Engagiert für Ostdeutschland – Zukunftswege Ost in Brandenburg“ statt. Eingeladen waren engagierte Akteurinnen und Akteure aus Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung, um über die Zukunft der demokratischen Zivilgesellschaft in Brandenburg ins Gespräch zu kommen.

Nach der Begrüßung durch Olaf Ebert (Stiftung Bürger für Bürger) und Alfred Roos (Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“) stellte Kathrin Weiß (Zukunftswege Ost)die Ziele und bisherigen Erfolge der Gemeinschaftsinitiative vor. Seit 2024 wurden über den Mikrofondsbereits mehr als 200 Projekte zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der demokratischen Kultur in Ostdeutschland gefördert. Olaf Ebert berichtete über die Strukturförderung von Zukunftswege Ost für die bereits bestehenden Fokusregionen Saalfeld-Rudolstadt und Ostvorpommern und gab Einblicke in die Erfahrungen vor Ort.

An moderierten World Café-Tischen diskutierten die Teilnehmenden anschließend zentrale Herausforderungen und Bedarfe der brandenburgischen Zivilgesellschaft. Dabei wurden regionale Unterschiede herausgearbeitet und Anregungen für eine mögliche Stärkung der Zivilgesellschaft insbesondere im ländlichen Raum sowie Vorschläge für eine potentielle Fokusregion in Brandenburg gesammelt. Zum Abschluss fasste Olaf Ebert die Ergebnisse zusammen und blickte auf die nächsten Schritte der Initiative.

Bei einem abschließenden Get-together nutzten die Gäste die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen und Kooperationen anzubahnen. Der Roundtable zeigte, wie vielfältig und engagiert die brandenburgische Zivilgesellschaft ist und gleichzeitig, wie groß die Bedarfe von struktureller Unterstützung und Vernetzung der Strukturen insbesondere in den nördlichen Regionen des Flächenlandes ist. Es wurde deutlich, wie wichtig gemeinsame Initiativen und übergreifende Netzwerke für eine Stärkung der demokratischen Kultur sind.

Zukunftswege Ost: Pfade, Förderungen und viel Ermutigendes seit 2023. Ein Überblick über das Erreichte

Volle Stiftungskraft voraus für Ostdeutschland

Woher kam der Impuls?

2022 lud der ehemalige Staatsminister und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland den Bundesverband Deutscher Stiftungen und Stiftungen ins Bundeskanzleramt ein.

Warum?

Nur 7,3 Prozent der Stiftungen haben ihren Sitz in Ostdeutschland. Die Zivilgesellschaft in Ostdeutschland ist stark fragmentiert, verfügt eher in urbanen Räumen über engagementfördernde Einrichtungen. Da es kaum Eigenmittel in den Vereinen gibt und sich viele Menschen in Initiativen organisieren, stehen Stiftungen in Ostdeutschland vor der Frage, wie sie gemäß ihres Stiftungszwecks gut und nachhaltig fördern können. Welche Netzwerke bedient man, welche Prioritäten und Zielgruppen gibt es?

Nach dem Treffen im Bundekanzleramt thematisierten Vertreter*innen der Cellex Stiftung, der Stiftung Bürger für Bürger, der Freudenberg Stiftung, der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und des Bundesverbands Deutscher Stiftungen die Fragen in zahlreichen Formaten im Stiftungskontext und fanden interessierte Mitstreiter*innen. Die Vorschläge mündeten in dem Vorhaben, private Mittel für demokratiestärkende Mikroprojekte und Strukturförderungen im ländlichen und strukturschwachen Räumen zu bündeln.

Aufbruch 2023: Wie TransformOst Zukunftswege Ost ins Rollen brachte

Mit TransformOst wurde die Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost in der Stiftung Bürger für Bürger 2023/2024 angebahnt. Das Projekt wurde von der DSEE und der Freudenberg Stiftung gefördert. Dazu fanden 2024 zunächst Roundtables in Erfurt, Rostock und Dresden statt, in denen die Teilnehmenden Herausforderungen diskutierten und erste Orte für eine Umsetzung der Fokusregionen vorschlugen. Die Kooperationsnetzwerke vor Ort handeln zukunftsfähige Strategien für die Regionen aus, stärken bestehende Kooperationen bauen neue (über)regoinal aus. In den Fokusregionen kommen Zivilgesellschaft, Kommunen und Unternehmen zusammen, identifizieren Bedarfe und werden zu einer Verantwortungsgemeinschaft, die hauptamtlichen Engagementstrukturen eine koordinierende Rolle zuspricht. Kooperationsnetzwerke vor Ort werden mit bis zu 100.000 pro Jahr in ihrer Arbeit langfristig unterstützt. Stiftungen können sich strukturell, ideell und finanziell beteiligen oder mit Partnern vor Ort Formate umsetzen und das Stiftungsengagement verstärken.

Sichtbarkeit, sehen und hören. Lokaljournalismus, Tagesthemen und Tagesspiegel.

Der schwindende Lokaljournalismus kann die Vielseitigkeit des demokratischen Engagements kaum mehr abbilden. Mit Projekt TransformOst sollte es dennoch sichtbar werden. Der Launch der Website wurde mit einem Pressegespräch zur Ankündigung der Schirmherrschaft durch den Staatsminister und Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland, Carsten Schneider, begleitet und stieß auf überregionales Interesse. Ebenso wie der Kick-off der Fokusregion Saalfeld-Rudolstadt mit dem Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Mai. Das Bürgerradio im Städtedreieck Saalfeld – Rudolstadt – Bad Blankenburg streamte die Veranstaltung live. 

CORRECTIV Lokal-Konferenz

Bei der CORRECTIV-Lokal-Konferenz in Erfurt tauschten sich im September 2023 und April 2024 Stiftungspartner mit Engagierten und Lokaljournalisten aus. Wie können die umsetzungstarken Engagierten vor Ort sichtbarer werden und wie können journalisitische Formate vor Ort aussehen, wo Lokalredaktionen abgebaut werden?

Moderatorin Sabine Schicketanz, Olaf Ebert, Dr. Eva Sturm, Jan Holze, Maren Düsberg und Sebastian Heuchel

Tagesspiegel “Der Osten – Die Konferenz für Ideen und Macher”

Im November 2024 diskutierten Vertreter*innen aus Ostdeutschlands Zivilgesellschaft, wie die Bedingungen für Ehrenamtliche zeitnah verbessert und auf welche Weise Vereine und Initiativen durch Politik, Stiftungen und Wirtschaft unterstützt werden können. Dank der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS konnte das Thema auf der Tagesspiegel-Konferenz mit überregionaler Reichweite platziert werden.

Streit und Zuversicht

Als Fortsetzung der “Gesprächsreihe 2025” der Stiftung Bürger für Bürger wurde in Kooperation mit der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und mit Holtzbrinck Berlin das Format “Streit und Zuversicht” Ende des Jahres in Halle und  Rudolstadt umgesetzt, welches vom Publikum gut angenommen wurde.

Literaturaus Halle:

  • Oktober 2024: Kann mehr Mitbestimmung die Demokratie stabilisieren?
  • März 2025: Wahl-Spezial (Halle)

Theater Rudolstadt: 

  • November 2024: Thüringen: bleiben oder gehen?
  • Juni 2025: Können erneuerbare Energien die regionale Wirtschaft retten?
Josephine Hage, Prof. Dirk Oschmann und Jana Simon bei „Streit und Zuversicht“ in Halle 2024
„Streit und Zuversicht“- Debatte, Rudolstadt 2024
Valeria Schönian moderiert die Diskussion „Kann mehr Mitbestimmung die Demokratie stabilisieren?“
Der Debattierclub Magdeburg e. V. bei Streit & Zuversicht „Kann mehr Mitbestimmung die Demokratie stabilisieren?“

Aufbau und Erprobung eines Gemeinschaftsfonds – über 200 Mikroprojekte gefördert

Im März 2024 ist die Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost  Staatsminister Carsten Schneider mit einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt gestartet. Ein erster Anlaufunkt war nun die Homepage.

Ziel der Initiative: Private Mittel bündeln und damit die Zivilgesellschaft im ländlichen Raum Ostdeutschlands stärken. Der Gemeinschaftsfonds entstand, an dem sich mittlerweile mehr als 22 Partner*innen beteiligt haben. 

Digital, unbürokratisch und schnelle Auszahlung – Mikroförderung

Von April 2024 bis Oktober 2025 wird der Aufbau und die Erprobung eines Gemeinschaftsfonds in der Stiftung Bürger für Bürger durch die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland und die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS gefördert. 

Seit dem Start der Mikroförderung im Juli 2024 gingen bis August 2025 in 7 Förderrunden über 1500 Einreichungen ein. Jede Einreichung wurde von 2 Jury-Mitgliedern gelesen und bewertet. 240 Mikroprojekte und Aktionen erhielten eine Förderung zwischen 500 – 5000 €. Insgesamt wurden bisher in dieser Säule 1 Million € bewilligt. Ziel war es, Vereine und Initiativen schwerpunktmäßig in strukturschwachen und ländlichen Räumen Ostdeutschlands zu fördern. Damit waren wir erfolgreich!

Abbildung: 6 Runden Engagement stärken seit Juli 2024

Von Jugenddialogen in Parkhäusern über Schulmediation durch Senior:innen, der Aufbau oder die Wiederbelebung von Gemeinschaftsorten oder Dorf-Filmprojekte. Ideen und Umsetzungen werden von Initiativen, Sport-, Umwelt- oder Heimatvereinen, aber auch kirchlichen Trägern oder künstlerischen und soziokulturellen Initiativen getragen. Sie alle stärken mit ihrer Arbeit das Miteinander, die Demokratie und die Gesellschaft in ihrer Region – und wissen genau, was es vor Ort braucht.

Abbildung: Wir fördern nachweislich vorrangig in ländlichen und strukturschwachen Räumen Ostdeutschlands

Kooperation stärken und fördern

Strukturförderung in Fokusregionen

Hohe Abwanderung, weniger Gemeinschaftsorte, kaum engagementfördernde Infrastrukturen, menschenfeindliche Akteure im ländlichen Raum? Wie kann das demokratische bürgerschaftliche Engagement von allen vor Ort vernetzt, sichtbar und gestärkt werden. 

Die Strukturförderung soll in strukturschwachen und ländlichen Regionen Ostdeutschlands Kontinuitäten und Kooperationen schaffen. Das überregionale Stiftungsengagement, Vernetzung, private Mittel und ideelle Förderungen fallen hier auf fruchtbaren Boden.

Mit der Projektförderung der DSEE und der Freudenberg Stiftung konnte die Stiftung Bürger für Bürger 2023/2024 Fokusregionen in 3 Bundesländern identifizieren und den Aufbau von Kooperationsnetzwerken unterstützen. Mit privaten Mitteln des Gemeinschaftsfonds werden diese nun mit bis zu 100.000 € pro Jahr gefördert. Seit 2025 finden Gespräche zur Auswahl einer weiteren Fokusregion in Sachsen-Anhalt und Brandenburg statt, die bis Ende 2025 in einer langfristigen Förderung von zwei weiteren Fokusregionen münden sollen.

Die DSEE und die Freudenberg Stiftung fördern den Aufbau und die Begleitung der Kooperationsnetzwerke auch in 2025.

Demokratiekonferenz in Saalfeld

Saalfeld Rudolstadt

  • Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen: https://event.batix.de/fokusregion
  • Förderung seit 2025
  • Februar: 2024 Roundtable Erfurt
  • Mai 2025: Kick-off in Saalfeld-Rudolstadt
  • September 2024: Demokratie-Konferenz
  • November 2024/ Juni 2025: Streit & Zuversicht im Theater Rudolstadt
  • Mai 2025: Dialogreise

Ostvorpommern

  • Juni 2025:  Netzwerkveranstaltung in Lassan mit More in Common „Im Gespräch bleiben! Aber wie?“
  • Förderung seit 2025
  • Kooperationspartner: RAA MV e.V.
  • Förderpartner: ZEIT STIFTUNG BUCERIUS  und Nordmetall Stiftung
  • Februar: 2024 Roundtable Rostock
  • Sommer 2024: Auswahl der Fokusregion Ostvorpommern
  • März 2025: Kick-off in Anklam
Alicja Orlow stellt Zukunftswege Ost vor

Gen Ost – Jugendfonds

Dank der Unterstützung der Drosos Foundation startete im Mai 2025 ein bürokratiearmer und partizipativer Fonds für junges Engagement in Ostdeutschland. Gefördert und begleitet werden Initiativen von jungen Engagierten zwischen 14 und 27 Jahren, denen die Zugänge zu klassischen Fördermitteln oft erschwert werden. Über die Vergabe der Mittel entscheiden junge Menschen selbst: Die Jugendjur bewertet 1x im Quartal die Anträge und entscheidet gemeinsam, wer gefördert wird. 

Die erste Förderrunde endete im Juli. Die Jugendjury bewertete 57 eingegangene Anträge und entschied sich für die Förderung von 10 Mikroprojekten. Die nächste Förderrude endet im September.

Engagiert für Demokratie – Die Altmark auf dem Weg zur Fokusregion

Auf dem Weg zu einer neuen Fokusregion

Die Altmark ist auf dem besten Weg, Fokusregion der Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost in Sachsen-Anhalt zu werden. Am 11. August waren gemeinnützige Akteurinnen und Akteure aus der Altmark in die Kleine Markthalle nach Stendal eingeladen, um die Initiative kennenzulernen.

Unter dem Motto „Gemeinsam mehr machen“ stärkt die Allianz aus Stiftungen, Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen die demokratische Zivilgesellschaft in Ostdeutschland durch privates Kapital und neue Kooperationsnetzwerke.

Im angeregten Austausch mit Vertretern der Stiftung Bürger für Bürger, der Freudenberg-Stiftung, der Bertelsmann-Stiftung und der Schöpflin – Stiftung loteten die etwa 35 Gäste in drei Gruppen Bedarfe und Herausforderungen der Zivilgesellschaft in der Altmark aus. Ein Erfahrungsbericht aus der Fokusregion Ostvorpommern offenbarte ähnliche Herausforderungen. Mit der Altmark wäre die vierte Fokusregion in den „neuen Bundesländern“ gefunden, eine weitere wird in Brandenburg geplant.

Zeit für den Roundtable „Engagiert für Demokratie – Zukunftswege Ost in der Altmark“ nahmen sich auch die Landräte des Landkreises Stendal und des Altmarkkreises Salzwedel, Patrick Puhlmann und Steve Kanitz, Stendals Oberbürgermeister Bastian Sieler und Salzwedels Bürgermeister Olaf Meining. Stendals Landrat fragte nach, wie verbindlich die geplante Kooperation von Zukunftswege Ost mit der Altmark sei. „Sehr verbindlich“, antwortete Stefan Vogt von der Freudenberg Stiftung. Eine Rolle spiele dabei auch das große Potenzial an gemeinnützigen Initiativen in der Region, die demokratische Werte fördern.

Marion Zosel-Mohr, die mit der Freiwilligen-Agentur Altmark Gastgeberin der Veranstaltung war, freut sich auf den weiteren Prozess. Aus ihrer zehnjährigen Erfahrung mit dem bundesweiten Netzwerkprogramm Engagierte Stadt weiß sie: „Wir können gemeinsam viel mehr bewirken.“

Text und Fotos: Edda Gehrmann

Dialogreise Saalfeld-Rudolstadt

Saalfeld-Rudolstadt – Demokratisches Engagement in der Breite

Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ist seit einem Jahr Fokusregion der Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost. Sie will die demokratische Zivilgesellschaft in Ostdeutschland durch privates Kapital und neue Kooperationsnetzwerke langfristig und nachhaltig stärken.

Wer sind die Akteur:innen vor Ort, was ist bereits geschehen und was sind ihre Ziele und Visionen für die Region? Wo liegen die Chancen und Herausforderungen und welche Bedarfe ergeben sich daraus?

Antworten gab es am 5. und 6. Mai 2025 bei der Dialogreise durch Saalfeld-Rudolstadt. Mit Engagierten vor Ort ging es in einen offenen und konstruktiven Austausch.

Stiftungen, Unternehmen und Engagierte im Austausch

Der bundesweite Teilnehmendenkreis von fast 50 Vertreter:innen aus Stiftungen, regionalen Unternehmen und weiteren Interessierten, hatte die Gelegenheit herauszufinden, wie zukünftige Kooperationen gestaltet werden können, um ein stabiles, langfristiges Engagement ermöglichen zu können.

Generationsübergreifende Beteiligung und Kooperationen

Zukunftsladen, Innovationsprojekt und Handwerk

Im Zukunftsladen Saalfeld  der Partnerschaft für Demokratie Saalfeld-Rudolstadt hoben die Kinder- und Jugendbeteiligung der Region und das Innovationsprojekt ProAktiv Saale-Region die Relevanz ihrer Arbeit vor. Im Anschluss führte die erste Etappe ins Werkhaus nach Beulwitz. Das Werkhaus ist das Produkt einer bemerkenswerten Zusammenarbeit von Kommunalverwaltung, sozialer Jugendarbeit, Quartiersmanagement, Handwerk und ehrenamtlich Engagierten mit direktem Mehrwert für den Stadtteil von Saalfeld. Beteiligungsprozesse unter Einbindung der mehrheitlich zugewanderten Anwohner machen Quartiersarbeit erlebbar und gestaltbar.

Zweite Station an diesem Tag war Schloss Schwarzburg. Der dort angesiedelte außerschulische Lernort, der Zukunftswerkstatt Schwarzatal e. V. und der Garden Eden Kollektiv e. V. sind drei beispielhafte Initiativen, die im Schwarzatal ein vielfältiges Angebot zu gesellschaftlichem Engagement und Möglichkeiten des Austauschs organisieren und bereithalten.

Beim anschließenden Netzwerkabend mit Unterstützung des regionalen Wirtschaftsverbandes SaaleWirtschaft e. V. und deren Mitglied, der Batix Software GmbH, wurden die Erlebnisse und Erkenntnisse des Tages als Basis für weitergehende Gespräche und verbindliche Absprachen genutzt. Mit sektorenübergreifenden Kooperationen und finanziellen Mitteln für die Gemeinschaftsinitiative stärkt die Wirtschaft bürgerschaftliches Engagement, deren Mikroprojekte und somit auch Ostdeutschland als weltoffenen Wirtschaftsstandort.

Sowohl der Landrat des Landkreises Saalfed-Rudolstadt Marco Wolfram als auch der Saalfelder Bürgermeister Dr. Steffen Kania betonten die Relevanz von aktivem Ehrenamt für die Region und unterstrichen die Notwendigkeit von Kooperation mit der regionalen Wirtschaft für die langfristige Handlungsfähigkeit und Resilienz der Region.

Die Save Nature Group gUG, die Mothek und das Innovationsprojekt Thüringen Zusammen von interculture e. V. sind drei weitere zivilgesellschaftliche Initiativen, deren Arbeit die Kommunikation und den Austausch im Landkreis mitgestalten. Sie stellten ihre Arbeit den rund 60 Gästen des Netzwerkabends näher vor und ermöglichten auch ganz praktisch gemeinsam am Recycling Mobil und der Mothek zur Tat zu schreiten.

Medienbildung und Erinnerungsarbeit: Mehr öffentliche Wahrnehmung und Unterstützer:innen

Der zweite Tag startete beim SRB – Das Bürgerradio im Städtedreieck Saalfeld – Rudolstadt – Bad Blankenburg e.V. und führte uns dann weiter zur KZ-Gedenkstätte Laura. Auch diese beiden Initiativen konnten eindrucksvoll und sehr greifbar die Relevanz ihrer Arbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratieförderung der Region darstellen.

Die größten Herausforderungen haben alle Initiativen gemeinsam. Ihnen fehlt die öffentliche Wahrnehmung und in diesem Zuge auch noch mehr engagierte Mitstreitende, auf deren Schultern sich der große Aufwand der ehrenamtlichen Arbeit leichter tragen lassen würde. Oft fehlen auch finanzielle Mittel, um die Angebote der Vereine einem möglichst breitgefächerten Publikum zugänglich zu machen sowie eine stabile Struktur, die zu zivilgesellschaftlichem Engagement in der ländlich geprägten Region ermutigt und die Arbeit der Ehrenamtlichen erleichtert.

Sowohl die anwesenden Stiftungsvertreter:innen als auch die regionale Wirtschaft waren beeindruckt vom bestehenden Engagement und stellten eine weitere Unterstützung in Aussicht.

Das Konzept der Dialogreise hat somit sein Ziel erreicht; Konkrete Beispiele für zivilgesellschaftliches Engagement greifbar machen und so das Interesse der Unterstützung bei den beteiligten Akteur:innen wecken.

Jetzt gilt es verbindliche Absprachen zu treffen. Damit soll ein langfristig und nachhaltigen Netzwerk zur Förderung demokratischer Strukturen in der Fokusregion Saalfeld-Rudolstadt mit Nachdruck aufgebaut werden.

Die Dialogreise wurde unterstützt durch die Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost, die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt und der Freudenberg Stiftung. Sie fand in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und der Partnerschaft für Demokratie Saalfeld-Rudolstadt statt.

Ideen, Wünsche oder konkrete Pläne zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und zur Weiterentwicklung unserer Region?

Der Ansprechpartner in der Region freut sich über Kontaktaufnahme:
David Theobald, Koordinator der Fokusregion Saalfeld-Rudolstadt
+49 1515 5655277 oder d.theobald[at]diakonie-wl.de

Warum braucht es eine Gemein­schafts­initiative

Warum braucht es eine Gemeinschaftsinitiative zur Stärkung demokratischer Zivilgesellschaft in Ostdeutschland?

Demokratie funktioniert nur mit Beteiligung. In Ostdeutschland gibt es viele Menschen, die sich für ein demokratisches Gemeinwesen und ein zugewandtes, respektvolles Miteinander engagieren. Dieses Engagement findet jedoch nicht in verlässlichen Strukturen und oft ohne auskömmliche Finanzierung statt. Menschenfeindliche Tendenzen schwächen zunehmend das bürgerschaftliche Engagement vor Ort. In ersten Landkreisen und Kommunen werden politische Vertreter gewählt, deren Partei offen rechtsradikale und antidemokratische Positionen vertritt. Diese Kräfte gewinnen mehr Einfluss darauf, wie unser Gemeinwesen gestaltet wird. Hinzu kommt, dass zwei Drittel der Menschen im Osten kein Vertrauen in politische Institutionen haben – die Demokratie steht unter Druck. 

In dieser Lage gilt es, sich nicht zurückzuziehen. Sondern im Gegenteil das zu tun, was Ostdeutschland stark gemacht hat. Vor Herausforderungen nicht verstecken. Das Momentum nutzen und Lesarten von Bürgergesellschaft anbieten.

Hier setzt Zukunftswege Ost an: Die Gemeinschaftsinitiative möchte das Engagement für ein demokratisches Zusammenleben in Ostdeutschland stärken und dafür möglichst viele Partner aus Stiftungen, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik gewinnen.

Es geht um viel. Gemeinsam setzen wir heute die Rahmenbedingungen.

Warum glauben wir, dass das funktionieren kann?

Die Menschen im Osten Deutschlands haben in den vergangenen Jahrzehnten einen Transformationsprozess bewältigt, der sie vor unterschiedliche Herausforderungen gestellt hat, aber auch Grund zur Zuversicht gibt. Zeiten von Arbeitslosigkeit und Abwanderung liegen hinter ihnen, Herausforderungen sind heute (wie in vielen westlichen Regionen auch) die demografische Struktur und die Anpassung an neue wirtschaftliche, geopolitische und technologische Entwicklungen. Trotz denkbar ungleicher Ausgangsbedingungen ist der Osten zukunfts- und wettbewerbsfähig und in der Lage, innovative Lösungen zu finden und neue Wege einzuschlagen.

Sehr viele Menschen in den ostdeutschen Bundesländern engagieren sich für ein demokratisches Zusammenleben. Die Menschen bringen ihre Erfahrungen und ihr Wissen auch in andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens ein. Ganz automatisch vernetzen sie Unternehmen und Unternehmerinnen, die Politik, Kulturschaffende, sie alle teilen Transformationserfahrungen. Gerade in Ostdeutschland haben sich die Wirtschaft und das kulturelle Leben immer wieder erneuert und verändert, wurden Prozesse gestaltet und innovative Wege beschritten.

Was wir tun können: dieses Potenzial für alle nutzbar machen und Erfahrungsaustausch fördern – besonders die Kooperation mit der lokalen Wirtschaft, kleinen und mittelständischen Unternehmen und den ökonomischen Ankern in den Regionen. So bekommt die Zivilgesellschaft die Möglichkeit, mit starker Stimme zu sprechen, Ressourcen regional zu bündeln und sie effektiv einzusetzen.

Was brauchen die demokratischen Akteure?

Aus unserer Sicht vor allem drei Dinge: Sichtbarkeit, Gehör und solidarische Stärkung für ihre Zukunftsentwürfe – auch und vor allem mit Geld. Deshalb setzen wir auf starke Partnerschaften und verlässliche und langfristige Förderungen aus privatem Kapital.